Historie der "Grünen Mitte"

Grundsteinlegung

1926 wird der Grundstein für dieses „Hochhaus“ gelegt. Es gehört nach seiner Fertigstellung 1928 zum Firmensitz der im gleichen Jahr neu gegründeten „Schlutius Kartonagen AG“.

Die Zeit des Dritten Reiches

Beinahe hätte der Hochbau einen Zwilling bekommen. Die Pläne dafür liegen ab 1938 vor. Der „Polenfeldzug“, den das vom Nationalsozialismus regierte Deutsche Reich am 1. September 1939 beginnt und der zum Zweiten Weltkrieg wird, verhindern deren Umsetzung. Die Zahl der Beschäftigten sinkt während des Krieges. Zwangsarbeiter werden angefordert. 1940 wird das Unternehmen zum „Rüstungsbetrieb“ erklärt.

Nachkriegs- und DDR-Zeit

Das Hochhaus übersteht die schweren Bombenangriffe der Alliierten im April 1945. Es nimmt auch keinen Schaden, als am 16. Mai 1945 ein Großfeuer nach Brandstiftung weite Teile der Fabrik schwer beschädigt. Das Gemäuer erlebt, wie im Juli 1945 die Rote Armee das Werk beschlagnahmt, fast alle Anlagen demontiert und in die Sowjetunion gebracht werden. Im Fünfgeschosser erwacht nach 1946 neuerlich das Leben, als die „Arbeitsgemeinschaft Ernst Thälmann“ den Betrieb aufnimmt, aus der 1948 der VEB Verpackungsmittelwerk „Ernst Thälmann“ wird. Das Hochhaus ist stummer Zeuge, als 1990 die Treuhand aus dem VEB eine GmbH macht, die zwei Jahre später in den Besitz der österreichischen Alfred Wall AG wechselt.

Nachwendezeit

Zum Jahreswechsel 1994/1995 endet die Industriegeschichte an diesem Ort. Auch im Hochbau erlöschen alle Lichter. Zehn Jahre gehen ins Land, Wind und Wetter setzen dem Bau zu.

2005 kauft die Stadt die drei Hektar große Brache. „Genial zentral“ soll das Quartier belebt werden. Saalfeld soll eine „Grüne Mitte“ bekommen. Dafür – so scheint es – muss nun 2007 auch das Hochhaus weichen. Doch seine Rettung folgt: Im November 2007 gibt der Stadtrat grünes Licht und verkauft ihn dem AWO-Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt.

Wiedergeburt

80 Jahre nach dem Baubeginn erlebt das „Hochhaus“ seine Wiedergeburt. An dem Tag ist erster Spatenstich für das Vorhaben der Arbeiterwohlfahrt altersgerechtes Wohnen in seinen Wänden zu schaffen.

Und oben, den Wolken ein ganzes Stück näher, befindet sich das „Schlutius“. Ein Restaurant, das den Namen jenes Mannes, dessen Visionen den achtzehneinhalb Meter hohen Bau ermöglichten, trägt: Emil Schlutius.