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Vielfaches Dankeschön für „Herbstzeitlose“ Weiterbildungs- und Motivationsveranstaltung im „Löwensaal“

Ihre ehrenamtliche Arbeit wird gebraucht. Stärker denn je, wenn wie in Saalfeld zum Beispiel gut ein Drittel der Bevölkerung inzwischen über 65 Jahre alt ist. Und nicht wenige dieser älteren Mitbürger*innen sind allein, manche auch einsam. Sie vor Vereinsamung und drohender Isolation zu schützen, das ist eine der wichtigsten Aufgaben der „Herbstzeitlosen“, der ehrenamtlichen Seniorenbegleiterinnen und Seniorenbegleiter im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, die sich unter dem Dach des AWO-Kreisverbandes Saalfeld-Rudolstadt e. V. engagieren.

Es ist zur schönen Tradition geworden, diesen Ehrenamtlichen für ihren Einsatz  – zumeist zwei bis vier unentgeltliche Stunden pro Woche – einmal im Jahr zu danken und sie zur Weiterarbeit zu motivieren. Am 20. November 2019 fand die diesjährige Motivations- und Weiterbildungsveranstaltung im sanierten „Löwensaal“ in Rudolstadt statt, wo der Hausherr, Bürgermeister Jörg Reichl, rund 100 „Herbstzeitlose“ und Gäste willkommen hieß. Musikalische Klänge hierfür lieferte das Lehrerinnen-Trio „Vivoce“ der Kreismusikschule Saalfeld.

Dr. Jan Steinhaußen, Geschäftsführer des Landesseniorenrates Thüringen, setzte mit seinem Impulsreferat „Plastizität im Alter – Fit im Kopf“ diskussionswürdige Ansätze zum Blick auf das Leben im hohen Alter im Spiegel der Zeit. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass sich Menschen jenseits der 75 heute keineswegs als alte Leute betrachten. Wie fit sich jemand fühle, hänge dabei weniger von den altersbedingten körperlichen Beeinträchtigungen ab als vielmehr von der mentalen Beweglichkeit. Und die, so der Tenor der Wissenschaft, sei kein unabänderliches Schicksal, sondern beeinflussbar. Neben gesunder Lebensweise seien es die sozialen Kontakte, von denen die Menschen auch im hohen Alter profitierten. Mit dieser Erkenntnis sei ein Umdenken in der Gesellschaft nötig. Es seien nicht nur Pflege und barrierefreies Wohnen nötig, sondern auch die Übernahme von realistischen Aufgaben und Verantwortungen fordere und fördere alte Menschen.

Seit 2003 bis Frühjahr 2019 wurden in bisher 16 jeweils mehrwöchigen Kursen 270 Seniorenbegleiter*innen ausgebildet. 135 davon sind derzeit aktiv im Einsatz und begleiten 149 ältere Mitbürger*innen, manche Ehrenamtliche also auch mehrere Personen, nannte Projektinitiatorin Christa Pidun aktuelle Zahlen. Zwölf Teilnehmer bildeten den jüngsten Kurs, allesamt Frauen, die von Anbeginn die übergroße Mehrheit im Projekt stellen. Männer werden als „Herbstzeitlose“ ebenso dringend gesucht wie aktive Ehrenamtliche für die Dörfer abseits des Städtedreiecks. Während in Saalfeld und Rudolstadt die Nachfrage nach Begleitung relativ gut abgedeckt werden könne, hapere es nach wie vor auf dem Land.

Das verdeutlichte auch Martin Friedrich in seinem Grußwort. Zwar kam er offiziell in Vertretung des Bundestagsabgeordneten Albert Weiler (CDU) nach Rudolstadt, doch als ehrenamtlicher Bürgermeister der Schwarzatalgemeinde Sitzendorf, in der weit mehr als die Hälfte der Bewohner*innen jenseits des 65. Lebensjahres sind, weiß er nur zu gut, welche Probleme und Nöte sich auftun, wenn alte Menschen allein sind. Seniorenbegleiter*innen könnten hier eine echte Hilfe sein. Er, wie auch die kommunalen Vertreter von Saalfeld, Bettina Fiedler, und Rudolstadt, Mirko Schreiber, sowie AWO-Geschäftsführer Andreas Krauße sagten dem Projekt „Herbstzeitlose“ daher auch weiterhin ihre volle Unterstützung zu.

Der generationsübergreifende Zusammenhalt der Gesellschaft, den sich die „Herbstzeitlosen“ mit ihrem Tun auf die Fahnen geschrieben haben, wurde zum Abschluss des Tages noch einmal symbolisch deutlich, als der Chor des Gymnasiums „Fridericianum“ Rudolstadt u. a. Titel der Beatles, von Sting und Johannes Oerding in neuem Arrangement intonierte. Damit bauten die jungen Sängerinnen und Sänger eine Brücke zur Generation ihrer Eltern und Großeltern.

Der neue Ausbildungskurs beginnt am Mittwoch, dem 5. Februar 2020, 14.00 Uhr, im Rainweg 70 in Saalfeld.

Autor: Ute Häfner