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„Tragendes Gold und ein Diamant an der Spitze“

Herbstzeitlose feiern mit rund 200 Gästen ihr 15-jähriges Bestehen.

Sie nennen sich „Herbstzeitlose“. Nicht weil sie giftig wie die Heilpflanze sind, sondern weil sie im Spätsommer und Herbst ihres eigenen Lebens stehen. Hinter dem Projekt mit dem blühenden Namen stehen ehrenamtlich tätige Seniorenbegleiter beiderlei Geschlechts. In ihrer Freizeit begleiten sie meist einmal pro Woche für einige Stunden ältere, alleinstehende Menschen, bewahren sie so vor Vereinsamung oder entlasten Angehörige in der täglichen Betreuung der Familienmitglieder.

2003 rief Christa Pidun das Projekt ins Leben – noch bevor Politik und Gesellschaft überhaupt die Probleme des demografischen Wandels im Blick hatten. Was sich daraus im hiesigen Landkreis entwickelt hat und weiter wächst, ist beeindruckend und hat eine Vorbildfunktion. Das betonten mehrere Gratulanten am 14. November 2018 zur Festveranstaltung, die anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Projektes im Meininger Hof stattfand. Zu den rund 200 Gästen gehörten Vertreter kommunaler Verwaltungen und Wohlfahrtsverbände, aber auch Begleitete wie der 104-jährige Josef Hinke, der sich am kulturellen Rahmenprogramm erfreute, das die Bläsergruppe der Saalfelder Kreismusikschule, die jungen Tänzerinnen und Tänzer des Thüringer Folklore Tanzensembles Rudolstadt e. V. und der Frauenchor Saalfeld e. V. gestalteten.

Saalfelds Bürgermeister a. D. Matthias Graul blickte in seiner Festrede auf die Entwicklung des Projektes zurück. Die Idee war das Eine. Regionale Partner ins Boot zu holen, gelang dank Unterstützung durch diverse Wohlfahrtsverbände und den damaligen Sozialdezernenten des Landkreises, Gerhard Günther, auch schnell. Der AWO Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt e. V. übernahm die Trägerschaft. Und mit dem Titel „Leistungsträger für niederschwellige Betreuungsangebote“ konnte 2004 dem Ganzen auch eine offizielle Struktur im besten Behördendeutsch gegeben werden, so dass Fördermittel beantragt und Sponsoren geworben werden konnten. Referenten wurden gesucht und gefunden, so dass 2004 der erste Ausbildungskurs starten konnte. Bisher fanden 15 Lehrgänge statt. Am 06. Februar 2019 beginnt der 16. Lehrgang, zu dem auch schon erste Anmeldungen vorliegen.

In den bisherigen Kursen wurden 256 Frauen und Männer zu zertifizierten Seniorenbegleiterinnen und -begleitern ausgebildet, 140 von ihnen sind aktuell im Einsatz. In den vergangenen 15 Jahren wurden 736 Anfragen nach Begleitung bearbeitet. 159 Menschen werden derzeit durch Seniorenbegleiter betreut.

Ein Netzwerk über das gesamte Kreisgebiet ist anspruchsvolles Ziel des Projektteams. Denn Luft nach oben ist immer: Deshalb versprach Mirko Schreiber als Vertreter der Stadt Rudolstadt in seinem Grußwort, dem Projekt verstärkt unter die Arme zu greifen.

Ehrungen und Preise gab es für die Herbstzeitlosen über all die Jahre immer wieder. Es ist das „Idealprojekt des Ehrenamtes“, würdigte Ulf Grießmann, Geschäftsführer des AWO-Landesverbandes Thüringen. Denn es ist nachhaltig, aktivierend, niedrigschwellig, gemeinschaftsstiftend, weil Menschen auf sich achten. Im Landkreis ist das Projekt zuallererst mit dem Namen Christa Pidun verbunden. Saalfelds amtierender Bürgermeister Dr. Steffen Kania bezeichnete die „Chefin“ auch als „funkelnden Diamant einer Krone, deren tragendes Gold Sie alle sind“. Damit sprach er die Seniorenbegleiterinnen und -begleiter an und schloss sie ganz bewusst als die mit ein, die die Arbeit an der Basis leisten. Sie gäben das Wichtigste, das es gibt – Zeit.

Prof. Dr. Bernhard Maak übergab als Vorstandsvorsitzender des AWO Kreisverbandes Saalfeld-Rudolstadt e.V. einen Scheck über 1.000 Euro an das Projekt und beendete den Reigen der Grußworte mit: „Ihre Arbeit wird dringender denn je gebraucht.“