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Au revoir, Agnés

So verabschieden sich die Kinder des Königseer AWO-Kindergartens von ihrer französischen Erzieherin. Vier Wochen weilte Agnés Hermant aus Hirson im Rahmen des EU Förder-Programms Erasmus+ in Königsee. Davor war sie vier Wochen an der Sabel-Schule in Saalfeld.

Agnés Hermant und Anett Conrath

„Die Menschen hier sind sehr offen und gastfreundlich“, sagt Agnés, die überaus gut deutsch spricht. In ihrem Heimatort Hirson, der sich etwa 80 km nördlich von Reims unweit der Grenze zu Belgien befindet, leitet sie eine École maternelle. So heißt die französische Vorschule, die von Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren besucht wird. Agnés ist Lehrerin, denn in den Maternelles werden die Kinder von ausgebildeten Lehrern betreut und unterrichtet. Kinderkrippenbetreuung gibt es dagegen für Kinder bis zu einem Alter von 2 Jahren.

Der Grund ihres Aufenthaltes in Thüringen war das Kennenlernen und Erleben der unterschiedlichen Konzepte hier vor Ort – von Fröbelpädagogik, Montessoripädagogik, Kneipp oder Situationsansatz bis zum Waldkindergarten – all das interessierte die Kollegin aus Frankreich sehr. Im Gegensatz zu Deutschland herrscht in den französischen Vorschulen doch ein mehr strukturierter, lehrplanmäßiger Ablauf. Andererseits würde man in Frankreich wohl keine Einrichtung finden, die schon um 6.00 Uhr geöffnet hat. Hier beginnt das Leben, vor allem halt auch für die Kinder, gegen halb neun.

„Voneinander zu lernen und sich auszutauschen ist so wichtig“, meint auch Anett Conrath, die im AWO Kindergarten arbeitet und Agnés auf einer Besuchstour durch einige AWO Kindergärten mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten begleitet. Beide verstehen sich hervorragend und diese Freundschaft wird wohl auch in Zukunft gepflegt werden. Für den Oktober ist ein Gegenbesuch in Frankreich geplant.

Seinen Ursprung hat dieser deutsch-französische Austausch im französischen Projekt des Kindergartens „Regenbogen“ in Königsee, das von Catherine Andris ins Leben gerufen wurde und im Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft Hirson - Königsee entstanden ist. Catherine besucht die violette Kindergartengruppe alle zwei Wochen, singt mit ihnen französische Lieder, lernt mit ihnen Gedichte oder liest ihnen Märchen auf französisch vor.

Regelmäßige Skype-Termine sorgen dafür, dass sich die Kinder aus Hirson und Königsee kennenlernen. Sie haben so gut wie keine Verständigungsprobleme und viel Spaß dabei. Die Königseer beherrschen mindestens schon fünf französische Lieder, dank Agnés und Catherine. „Sur le pont d’Avignon“ und „Je suis la petite sorciére“ (Ich bin die kleine Hexe) – zum Beispiel. Agnés und Catherine sind auch bei Theaterprojekten dabei: Beim Einstudieren von „Frau Holle“, das kurioserweise zu „Herr Holle“ wurde, da unbedingt ein kleiner Junge die Hauptrolle besetzen wollte. Leicht vorstellbar ist, wie Agnés die Kleinen mit ihrer Begeisterung ansteckt. Sie sprüht geradezu vor Lebensfreude. Und sie erzählt auch vom Elysée-Vertrag, der 1963 die deutsch-französischen Beziehungen wieder auf eine gemeinschaftliche Basis stellte und im Januar 2019 durch die Unterzeichnung eines neuen Freundschaftsvertrages durch Angela Merkel und Emmanuel Macron erneuert wurde. Ganz in diesem Sinne wurde zum 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages vor einigen Jahren in Frankreich und Deutschland ein Label ins Leben gerufen: „Écoles maternelles bilingues – Elysee 2020“ bzw. „Bilinguale Kindertageseinrichtung – Elysee 2020“ für Schulen und Kindergärten, die sich besonders dem Austausch der Kulturen und der bilingualen Erziehung widmen. Die Ècole maternelle „Charles Clément“ in Hirson, deren Leiterin Agnés Hermant ist, trägt dieses Label.

Mit Sicherheit werden die jetzt geknüpften Beziehungen nicht abreißen. Vielleicht wird der AWO Kindergarten „Regenbogen“ Königsee sich bald auch mit diesem Label schmücken dürfen – eine schöne Vorstellung, auch für Agnés, die bestimmt gerne wiederkommt.