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Erneut „Erasmus“-Studienreisende aus Griechenland in AWO-Kindergärten zum Erfahrungsaustausch

Wie schon im Februar ist wieder eine Gruppe griechischer Erzieherinnen in Saalfeld eingetroffen, um sich im Rahmen des EU-Bildungsprogrammes „Erasmus+“ mit Erziehungskonzepten und pädagogischen Ansätzen ihrer deutschen Kolleginnen vertraut zu machen. Natürlich wartete wieder ein umfangreiches und straffes Studienprogramm, das die Besucherinnen nach Bad Blankenburg und Saalfeld führte.

Gruppenbild in der Kita Sonnenland

Die ersten beiden Tage standen ganz im Zeichen von Friedrich Fröbel. „Wer den AWO-Kindergarten in Bad Blankenburg besucht, kommt am Begründer des Kindergartens natürlich nicht vorbei“, so Kathrin Bergmann. Sie leitet den Kindergarten „Fröbelhaus“, wo so ziemlich alles an den großen deutschen Pädagogen erinnert. Die traditionellen Fröbel’schen Spielgaben, Holzbausteine, Legetäfelchen, von Fröbel entwickelte Spiele, seine Kinderlieder – all das ist hier gegenwärtig. Ein liebevolles, lebhaftes, kunterbuntes Treiben überall. Da mischten sich die griechischen Gäste gleich unter die Kinder und staunten nicht schlecht über den Ideenreichtum und die Kreativität der kleinen „Fröbelianer“. Kathrin Bergmann und ihr Team haben Erfahrung mit Besuchern. Nicht selten begrüßen sie ausländische Gäste und berichten mit Stolz über ihre Arbeit und ihren Kindergarten. Die Fröbelpädagogik ist heute international bekannt und geschätzt. Für die griechischen Besucherinnen war es ein lebendiger Auftakt ihres Programmes, auch ein Besuch im Fröbelmuseum durfte natürlich nicht fehlen.

Am Mittwoch und Donnerstag stand die integrative AWO-Kita „Sonnenland“ in der Saalfelder Klopstockstraße  auf dem Besuchsprogramm. Die Gäste verbrachten den Vormittag in den Kindergruppen und über Mittag tauschten sie sich mit ihren deutschen Kolleginnen aus. „Es ist schon bemerkenswert, wie offenherzig und aufgeschlossen die griechischen Kolleginnen in die Gruppen gehen. Sie sind sofort mittendrin, spielen und beschäftigen sich mit den Kindern, als gehörten sie schon lange dazu“, stellt Petra Markert fest. Die Kitaleiterin war schon beim letzten Treffen mit dabei. Die Montessoripädagogik, nach der hier in allen Gruppen gearbeitet wird, war eines der Gesprächsthemen. Dieser pädagogische Ansatz ist den Besucherinnen zwar bekannt, wird aber bei ihnen nicht praktiziert. So waren sie doch ziemlich erstaunt, dass man die Kinder mit diesem Konzept des freien Lernens und Spielens sehr erfolgreich zur Schulreife führen kann. Beim Thema Integration wiederum konnten die Gäste über eigene Erfahrungen berichten, da in ihrem Athener Kindergarten auch behinderte Kinder betreut und integriert werden. „Durch die unterschiedlichen Herangehensweisen und Erfahrungen, über die wir uns ausgetauscht haben, gestalteten sich diese Tage für beide Seiten äußerst lehrreich“, lautet das Fazit von Petra Markert.  

Ja, lehrreich, voller Impulse für die weitere Arbeit, nutzbringend – das war auch der Grundtenor des am Freitag statt gefundenen Resümees. „Das Kennenlernen der Bedingungen und Situationen jeweils vor Ort, das direkte Erleben und Mitmachen, ist der beste Weg, um voneinander zu lernen und sich näher zu kommen“, meint auch Ute Salewski. Als Kita-Fachberaterin der AWO hat sie schon einige dieser Begegnungen organisiert und begleitet. In unserer gegenwärtigen Zeit, wo Konflikte und Auseinandersetzungen zur Normalität geworden sind, ist es umso wichtiger, gemeinsam zu handeln, gegenseitiges Verstehen und Toleranz zu fördern – und diese Haltung unseren Kindern zu vermitteln. Das war schließlich auch die Botschaft von Erasmus von Rotterdam, des berühmten Humanisten, Gelehrten und nicht zuletzt „Europareisenden“ in der Zeit der Renaissance, der zum Namensgeber dieses sinnstiftenden EU-Bildungsprogrammes wurde. „Erasmus+“ hat mit diesem Besuch zunächst einmal sein erfolgreiches Ende gefunden. Alle Beteiligten hoffen sehr, dass es eine Fortsetzung geben wird. Das wäre gewiss auch im Sinne von Erasmus.