Aktuelles

Zeit und Zuwendung schenken

Seit 2004 besteht das Projekt „Herbstzeitlose“ unter dem Dach des AWO Kreisverbandes Saalfeld-Rudolstadt e.V. und über 200 ehrenamtliche Seniorenbegleiterinnen und -begleiter wurden in diesem Rahmen schon ausgebildet. Kürzlich schlossen die Absolventen des 14. Kurses ihren Lehrgang ab.

„Niemand hat es verdient, im Alter allein zu sein.“ Claudia Voita will es nicht bei ihren Worten belassen, sondern mithelfen, diesen Satz mit Leben zu erfüllen. „Ich habe wirklich jede Menge freie Spitzen. Auch wenn ich nicht mehr arbeiten kann, habe ich aber noch Kraft für andere.“ Zeit und Kraft will die 62-Jährige gern schenken an Alte, Kranke, Alleinstehende.

Manuela Jurchen will „die Zeit, in der wir leben, etwas menschlicher, wärmer machen. Alte Menschen haben es verdient, dass man ihre Lebensleistung würdigt, dass man sich ihnen zuwendet und zuhört“, sagt die 56-jährige und es macht sie fast wütend beim Blick auf die Wirklichkeit. Auch wenn sie die Welt nicht ändern kann, „einen Tag pro Woche sich ganz bewusst Zeit für Alte, Alleinseiende zu nehmen, das ist machbar“, sagt sie bestimmt. „Und es ist ja nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen, weil es mir Freude macht.“

Derart motiviert haben sich beide Frauen den „Herbstzeitlosen“ zugewandt. Seit Februar 2017 absolvierten 17  engagierte Frauen und Männer eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Seniorenbegleiter beziehungsweise zur Seniorenbegleiterin. An 16 spannenden Tagen wurden sie u. a. unterwiesen im Umgang mit Sehbehinderten und schwer Hörenden, lernten, dass Alter nicht vor Sucht schützt oder wie Medikamente bei Hochbetagten wirken. Sie haben über Diagnose und Therapie von Demenz etwas erfahren, aber auch praktische Tipps bekommen, wie man den Alltag mit altersverwirrten Menschen meistern kann. Die künftigen SeniorenbegleiterInnen wissen, dass es verschiedenste Wohnformen für alte Menschen im Landkreis gibt, wo und wie man Anträge auf Schwerbehinderung, Wohn- oder Pflegegeld stellt, was eine Betreuung von einer Vorsorgevollmacht unterscheidet. Immer waren es fachkundige ReferentInnen, die die insgesamt 21 Seminare leiteten.

Die Ausbildung war bereichernd und ein Zugewinn für die TeilnehmerInnen. „Ich habe viel gelernt“, blickt Rainer Wieja zurück. Er ist seit kurzem bereits im aktiven Einsatz und betreut zwei, drei Stunden pro Woche eine erblindete Dame. „Es ist keine einfache Arbeit, denn die zu Betreuenden erheben auch Ansprüche, da muss man Grenzen setzen. Aber ich will gern einen Teil von mir abgeben und für andere da sein“, sagt der 57-Jährige, der einer der wenigen männlichen Mitstreiter im Projekt ist. Claudia Voita wartet nach absolvierter Ausbildung noch auf ihren aktiven Einsatz. „Wenn man die Zeit und die Möglichkeit hat und sich von Herzen engagieren kann, sollte man es tun. Ich denke, dass ich‘s kann, ich will es zumindest versuchen.“ Rainer Wieja kann nur Mut machen, den Versuch zu wagen. „Es ist sehr schön, wenn man willkommen ist und Lebensfreude bringen kann.“

In nunmehr 14 Kursen wurden 243 Seniorenbegleiter ausgebildet. 130 sind aktuell aktiv im Einsatz und betreuen derzeit 162 zumeist ältere Menschen. Der Betreuungsbedarf im Landkreis ist höher, vor allem im gesamten ländlichen Raum werden daher weitere MitstreiterInnen gesucht. Die Betreuung erfolgt ehrenamtlich, lediglich Anfahrtskosten müssen von den zu Betreuenden erstattet werden.

Kontakt und Informationen über: 03671/563 300.